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Rumi-Impuls e.V.

Jüdisches Leben kennenlernen, Fragen stellen, Vorurteile hinterfragen und Menschlichkeit erleben.

Manchmal beginnt gelebte Demokratie bereits mit der Frage, ob alle überhaupt die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen.

Beinahe wäre der Besuch der InteA-Schüler*innen in der Budge-Stiftung gescheitert. Durch teilweise ausfallende öffentliche Verkehrsmittel konnten viele Jugendliche den Veranstaltungsort zunächst nicht erreichen. Eine scheinbar alltägliche Herausforderung, die jedoch deutlich macht, wie schnell gesellschaftliche Teilhabe an ganz praktischen Hindernissen scheitern kann.

Umso wertvoller war es, dass diese besondere Begegnung schließlich stattfinden konnte.

Der Rabbiner der Budge-Stiftung nahm die Jugendlichen mit auf eine Reise durch die Geschichte des Hauses und vermittelte lebendige Einblicke in jüdische Traditionen, insbesondere in das Laubhüttenfest (Sukkot). Dabei ging es nicht nur um religiöse Bräuche, sondern auch um Erinnerung, Gemeinschaft, Identität und die Bedeutung von Zugehörigkeit.

Ein besonders eindrucksvoller Moment war der gemeinsame Austausch in der hauseigenen Synagoge.

Hier konnten die Schüler*innen ihre Fragen offen stellen. Gemeinsam mit Manfred Levy vom Jüdischen Museum begegnete der Rabbiner den Jugendlichen mit großer Offenheit, Authentizität und Ehrlichkeit.

Es waren Fragen, die neugierig machten, zum Nachdenken anregten und teilweise auch emotional berührten.

Besonders deutlich wurde dies bei einem Thema, das weit über diesen Besuch hinaus gesellschaftliche Bedeutung besitzt:

Warum müssen sich jüdische Menschen in Deutschland immer wieder für die Politik der israelischen Regierung rechtfertigen – selbst dann, wenn sie dort weder leben noch wählen dürfen?

Hinter dieser Frage stehen persönliche Erfahrungen, Verletzungen und die berechtigte Forderung, als eigenständiger Mensch wahrgenommen zu werden – und nicht als vermeintlicher Vertreter eines Staates oder seiner Regierung.

Jüdisches Leben ist vielfältig. Jüdische Identität bedeutet nicht automatisch Zustimmung zu politischen Entscheidungen Israels. Niemand sollte aufgrund seiner Religion oder Herkunft für das Handeln einer Regierung verantwortlich gemacht werden.

Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, antisemitischer Ressentiments und internationaler Konflikte sind solche Begegnungen von unschätzbarem Wert.

Denn Vorurteile entstehen häufig dort, wo Wissen fehlt, Begegnungen ausbleiben und Menschen nur noch übereinander statt miteinander sprechen.

Für die InteA-Schüler*innen, die selbst unterschiedliche kulturelle, sprachliche und biografische Erfahrungen mitbringen, eröffnete dieser Besuch einen besonderen Raum: einen Raum, in dem Fragen erlaubt waren, Unsicherheiten ausgesprochen werden konnten und gegenseitiger Respekt die Grundlage des Gesprächs bildete.

Dieser Tag hat gezeigt, wie wichtig politische Bildung ist, die nicht ausschließlich aus theoretischem Wissen besteht, sondern durch persönliche Begegnungen, authentische Erfahrungen und ehrliche Gespräche lebendig wird.

Demokratie beginnt dort, wo wir bereit sind, einander zuzuhören – auch und gerade dann, wenn Fragen unbequem, Antworten emotional und Perspektiven unterschiedlich sind.

Unser herzlicher Dank gilt dem Rabbiner der Budge-Stiftung und Manfred Levy für ihre Offenheit, ihre Geduld und ihre Bereitschaft, auch schwierige Fragen ehrlich zu beantworten.

Denn am Ende geht es um weit mehr als das Kennenlernen einer Religion.

Es geht darum, Menschen nicht auf ihre Herkunft, ihren Glauben oder politische Konflikte zu reduzieren, sondern ihnen als Menschen zu begegnen.

Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erfahrungen, die wir jungen Menschen für ein demokratisches und respektvolles Zusammenleben mitgeben können.